Sonntag, 22. Juni 2014

- 846 - Nähte

Entblöße meine Gedanken,
Reiße meinen Leib entzwei und blicke hinein.
Öffne die Seiten,
Auf denen mein Sein geschrieben steht.

Präge es dir ein und lerne mich zu lieben,
Flicke mich zusammen und schreibe es nieder.
Fülle all die leeren Seiten,
Und hauche dich in mich hinein.

Flüstere all deine Geheimnisse,
Auf dass sie in mir ruhen.
Lass sie nie mehr welken,
Lieber in mir blühen.

Wo sie genau wie du Frieden finden,
Nie mehr Schatten in der sie Zuflucht suchten.
Nie mehr Schatten,
In der sie niemals eine Zuflucht fanden.

Lass mich expandieren,
Den Einband sprengen.
Deine Seiten füllen,
Dir das gleiche tun wie du mir.

Lass es uns gleich tun,
Die Erfüllung finden und diffundieren.
Bis wir die Substanz durchdringen,
Und verstehen.

Lass uns zerreißen,
Und neu erfinden.
Lass uns fliehen,
Und uns neu entdecken.

Lass uns die Seiten herausreißen,
Sie zu Papierfliegern falten und in die Welt befördern.
Denn wir brauchen sie nicht mehr,
Wir brauchten sie nie.

Streiche über meine Nähte,
Und vergesse nie was war.
Streiche über mein Gesicht,
Und vergesse niemals was ich bin.

Dein

1 Kommentar:

  1. Ein faszinierender, ein anrührend anregender, ein - wie ich finde - phantastischer Text. Der Drache lächelt.

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