Freitag, 27. September 2013

- 815- Der Atem meiner Welt

Nun stehe ich hier, auf dem Gipfel meines Lebens,
Blicke hinab auf all die Zeit die verstrich.
Als wäre sie der Wind der über die Ebene fegt,
Als wäre sie der Wind, der meine Stimme hinunter trägt.


Dort unten hausen die Erinnerungen eines Menschen,
Die Erinnerungen meiner Tage.
Hier halte ich sie inne,
Wie die Luft in meinen Lungen.


Presse sie nur dann hinaus wenn es sein muss,
Und doch bleibt sie ein Teil meines Seins.
Ich stehe auf den Bergen eines Individuums,
Ich stehe auf den Klippen meiner Selbst.


Ich trage mich nicht ab,
Ich trage mich, bis ich falle.
Und in mir den einen Atem,
Den Atem meiner Welt.


Den Atem ihrer Welt,
Den Atem deiner Welt.
Den Atem dieser Welt.
Unsere Welt.


Ich mag sie in mir tragen,
So wie sie mich ein Leben trägt.
Denn nur zu nehmen, das bin ich nicht,
Ich mag ihr etwas geben, wiedergeben.


Irgendwann,
Ja irgendwann.
Bin ich Staub,
Staub in den Erinnerungen dieser Welt.


Und der Wind bläst ein letztes Mal,
Ein letztes Mal über die Ebenen meiner vergangenen Tage.
Trägt mich hinaus bis ich nicht mehr zu sehen bin,
Bis ich eins mit ihrem Atem bin.


Eins mit dem Atem meiner geliebten Welt.

Samstag, 21. September 2013

- 814 - Transparente Lippen

Bei all den rosigen Lippen dieser Welt,
Gibt es nur ein Paar welches mir wirklich gefällt.
Sie zu erblicken lässt mein Herz gleich höher schlagen,
Doch wie nur wie? Kann ich dir sagen.


Wonach sich meine eigenen Lippen verzehren,
Wenn mir die Worte fehlen vor lauter Begehren.
Dann frage ich mich jederzeit,
Wann, nur wann ist es endlich soweit.


Bis sich unsere Lippen endlich berühren,
Wann die Wege uns zueinander führen.
Obwohl ich dich jeden Tag in meinem Herzen trage,
Und doch nicht mit dir zu sprechen vage.


Denn wie könnte ich auch, bei all den Dingen,
Während wir die Tage mit anderen Menschen verbringen.
Uns neue Gedanken machen und langsam vergessen,
Und bald, schon bald haben wir es nie besessen.


Jene Gedanken an eben diese Lippen,
Vergehen dahin mit einem einfachen Schnippen.
Doch haben wir sie in unserem Herzen verborgen,
Auf der Suche an einem anderen Morgen.


Bis wir vielleicht den Weg zu ihnen finden,
Bevor sie gänzlich für uns verschwinden.
Und wir einen einzelnen Kuss von transparenten Lippen erhaschen,
Süßlich, als würden wir Früchte naschen.


Und wir ein letztes Mal schmecken,
Was es bedeutet verliebt zu sein.

Donnerstag, 19. September 2013

- 813 - Gedankenarchiv

Es mögen Tage wie diese sein,
In denen wir den größten Wert dieser Welt tragen möchten.
In denen wir das Gewicht auf unseren Schulter spüren,
Und einmal wieder Menschlichkeit erleben wollen.


Vielleicht erkennen wir es irgendwann,
Zwischen dem Staub unserer Gedanken.
Weil wir die Dinge viel zu schnell erleben und verarbeiten,
Als wären wir Maschinen die funktionieren.


Doch wohin bringt uns dies,
Was lässt uns so anders sein.
Wenn wir doch genau das tun,
Was sie von uns verlangen.


Funktionieren...
Funktionieren!
Das Wort einer Welt,
Der Name einer Generation.


Wir archivieren erlebtes so schnell wir können,
Verarbeiten und verarbeiten was wir gerade fühlen.
Denn viel zu schnell schießen neue Gedanken durch unsere Köpfe,
Viel zu wenig Zeit bleibt für das was gerade kam.


Und wir funktionieren,
Funktionieren in einer Welt wo uns nichts anderes bleibt.
Wo Gedanken archiviert werden,
Verstauben und vergehen.


Da sie an jeglichen Werten verlieren,
Weil uns nichts mehr an ihnen bindet, nichts mehr an ihnen kettet.
Wir sind kalt, kalt wie Stahl,
Als wären wir nur noch Maschinen.


Wir funktionieren,
Funktionieren!
Wir füllen unsere Gedankenarchive,
Gedanke um Gedanke.


Aber Hauptsache eines,
Funktionieren.


Funktionieren im Namen einer ganzen Generation.

Donnerstag, 5. September 2013

- 812 - Scherbenherz

Wie die schönste Melodie zu spielen,
Ist es das eine unter vielen.
Zwischen den Steinen wo wir suchen,
Werden wir auch finden.


Abgesondert doch fest umschlossen,
Ein Juwel vom Beton umgossen.
In die Masse hineingeboren,
Doch fliegt sie hoch hinaus.


Ihr Blick leidet unter Tränen,
Die wie Kristalle dort entstehen.
Um ständige jene Teile zu begehren,
Die ihr so endlos lange fehlen.


Rausgebrochen, vom Wind verweht,
Der alleine durch ihren Atem entsteht.
Weggepustet und weggehaucht,
Bis die Suche kein Ende nimmt.


Doch begehre ich, begehre so sehr,
Ein Herz zerbrochen, ihr Scherbenmeer.
Um ihr Scherbenherz,
Zusammenzusetzen.


Und ich suche und suchte,
Ja ich versuchte.
Was keiner wagte, weil keiner tat,
Wonach ihr Leib so lange schrie.


Dein Herz wird pumpen, dein Herz wird schlagen,
Weil diese Scherben mein Blut an sich tragen.
Denn als ich fand, fanden sie halt an mir,
Stück für Stück, Scherbe für Scherbe.


Ja, vielleicht bin ich es der langsam vergeht,
Während aus diesen Scherben ein Herz entsteht.
So sind es wir die es endlich wieder zum Schlagen bringen,
Wir sind es die es wieder zusammensetzen.


Wir sind,
Das Scherbenherz.

Dienstag, 3. September 2013

- 811 - Rauch

Langsam schleicht die Wärme,
Schmiegt sich an mich, küsst mich, umgibt mich.
Haucht mir Worte in mein Ohr, es brennt,
Es brennt..


Wie eine Kerze willst du sein,
Dahinschmelzen und vergehen.
Das Feuer der Leidenschaft in dir spüren,
Wie heißer Wachs meinen Sinnen hinablaufen.


Doch das bist du nicht,
Du bist es nicht.


Du möchtest wie das Feuer sein,
Die Dinge in dir aufgehen sehen.
Mich wärmen,
Geborgenheit sein.


Doch wie könntest du?
Wie könntest du?


Du möchtest wie das Wachs sein,
Dich verändern.
Neue Formen annehmen,
Zerfließen in all der Hitze.


Doch wann solltest du?
Wann solltest du?


Du möchtest etwas sein was du nicht bist,
Willst mir imponieren, mich bezirzen.
Dabei weißt du nicht einmal wer du wirklich bist,
Was du die ganze Zeit warst.


Du benebelst meinen Geist,
Raubst mir meine Sinne.
Nimmst mir all meinen Atem,
Ich drohe zu ersticken.


Ja ich, ich weiß wer du bist,
Was du bist und was du immer sein wirst.
Du bist das was kommt,
Wenn die Kerze ihr Ende findet.


Du bist  der Rauch einer erloschenen Kerze.