Sonntag, 19. Mai 2013

- 761 - Wie eine zweite Haut

Lass mich heute all meine Gedanken um mein Leben einsperren,
In eine Kiste möchte ich sie legen und versiegeln.
Versiegeln und vergessen,
Vergessen und vergehen.



Wie einen Faden möchte ich sie aufrollen,
Zurück zu all den anderen Gedanken legen.
Sie raus holen wenn ein Loch in der Erinnerung genäht werden muss,
Bis zu dem Moment, an dem ich sie nicht mehr brauche.



Gib mir die Chance dazu meine Gedanken beiseite zu legen,
Ich lege sie nur einmal kurz zusammen.
Falte sie,
Und verstaue sie in deinem Herzen.



Denn meine Gedanken sollen nicht mehr um mich kreisen,
Nie mehr sollen sie es tun.
Denn ab heute widme ich dir all mein Denken,
All mein Fühlen und all mein Sein.



Lass mich heute all meine Gedanken um mein Leben einsperren,
In eine Kiste möchte ich sie legen und versiegeln.
Bis ich dich entdecken kann,
Bis du es bist.



Doch möchte ich meine Gedanken um dich,
Gerade diese nicht nur hüten.
Ich möchte sie leben,
Leben und spüren.



Mit meinen anderen Gedanken habe ich Löcher geflickt,
Doch die Gedanken um dich sind ein Stoff.
Aus ihnen werden Kleidungen geschneidert,
Und ich trage deine Gedanken an meinem Leib.



Ohne sie würde ich mich nackt fühlen,
Unbehütet und ungeborgen.
Unwohl in der Haut in der ich sonst so steckte,
Denn scheinen diese Gedanken schon ein fester Teil von mir zu sein.



Und irgendwann wenn die Gedanken schmerzen,
Möchte ich die Kleidung niederlegen.
Verstauen und zu all den anderen Gedanken legen,
Wo sie warten und warten.



Doch wird es mir nicht gelingen,
Weil die Gedanken um dich nun an mir haften.
Ein Teil von mir sind,
Wie eine zweite Haut.



Ich mich erst einmal häuten müsste,
Unter Schmerzen windend, den Verstand verliere.
Bis ich begreife wie sehr ich dich zu einem Teil machten wollte,
Obwohl es nie gelingen könnte.



Denn in all der Zeit als ich dachte es wäre Symbiose,
War es doch stets nur Parasitismus.


[ Inspiration durch ein kleines Gespräch mit meiner Muse. // Denn manchmal schleichen sich Menschen in unser Leben, die uns die Welt bedeuten könnten, aber wir ihnen nicht einmal den Moment. Und ehe wir uns versehen, vergehen wir an der Hingabe an einen anderen Menschen, der uns niemals mit den Augen einer liebenden Person betrachten wird. ]

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